Mein letzter Blogbericht aus der Atacama-Wüste. Und wieder bin ich mit Carlos und Gudrun unterwegs, dieses Mal verschlägt es uns rund 140 km östlich von San Pedro entfernt in den recht unbekannten Nationalpark Salar de Tara.
Wegen (bzw. dank) der entlegenen und unzugänglichen Lage finden nur wenige Touristen den Weg hierher. Ein Geländewagen mit 4-Rad-Antrieb ist nötig, und alle budgetgetriebenen Touristen scheuen das Investment in diese Tagesreise.
Während des 4-stündigen Aufenthaltes im Park begegnet uns sage und schreibe 1 Auto, ansonsten sind wir, mit Getränken und Sandwiches versorgt, auf uns alleine gestellt. Carlos und ich, wir teilen uns die Autofahrt.
Während ich den asphaltierten Streckenabschnitt hin und zurück bewältige, überlasse ich ihm gerne im offenen Wüstengelände seinen Wagen, geht es doch teilweise durch uns unbekanntes, unwegsames Gelände.
Mit gutem Funk & Soul auf den Ohren (Carlos hat da genau meinen Geschmack getroffen) schrauben wir uns wieder in die Anden, nähern uns Argentinien und erreichen nach rund 2, 5 Stunden Fahrt eine Höhe von fast 4.900 m.
Auf einem Felsplateau stehend verschlägt mir die Aussicht, aber auch die ungewohnt dünne Luft, fast die Sprache. Die Vielfalt der Farben ist beeindruckend. Roter Sandstein, der sich wie im Monument Valley blockartig auftürmt, perfekte Vulkankegel im Hintergrund, blaue Lagunen mit weißen Salzkrusten, umrahmt von grünen Oasen, Dünenlandschaften mit schwarzem Lavagestein gleich in der unmittelbaren Nachbarschaft.
Hätte ich den heutigen Tag mit dieser grandiosen Landschaft vermisst – mir wäre wahrscheinlich einer der schönsten Landstriche Chiles entgangen.
Ich kann nur hoffen das die aktuellen Bemühungen, dieses schöne Fleckchen Erde zu erhalten, erfolgreich sind.
Wir selber durften (bzw. mussten) vor Ort erfahren das ein Teilabschnitt der Fahrtstrecke gesperrt war – rund 2000 Flamingos haben Nester in der Lagune gebaut und werden vom örtlichen WWF (Conaf) gut geschützt.
Den Umweg, auferlegt durch den Naturschutz, nahmen wir doch gerne in Kauf. Hat es doch unseren Spaß und die Freude des Tages keineswegs geschmälert. Und für mich war der Trip in den Nationalpark Salar de Tara ein gelungener Abschluss nach 11 Tagen Atacama-Wüste.
Donnerstag, 14. Januar 2010
Salar de Tara
Salz auf meiner Haut
Neben den anderen 3 großen Touren, die in San Pedro angeboten werden, ist der Ausflug zur Laguna Cejar eher etwas für das Randprogramm – und dies völlig zu Unrecht, wie ich gestern feststellen durfte.
Gemeinsam mit Carlos, einem hiesigen Internetcafébesitzer und Gudrun, einer treuen San Pedro Besucherin, ging es gemeinsam zum Salzsee.
Tatsächlich sind es eigentlich mehrere Salzseen, die ähnlich dem toten Meer in Israel einen extrem hohen Salzgehalt aufweisen.
Dank dieses ungewöhnlichen Effektes treibt ein Jeder fast schwerelos auf der Oberfläche entlang und genießt die Gewissheit nicht untergehen zu können.
Umgeben von vereinzelten Sträuchern und Gräsern, die aus dem Salzwasser die notwendigen Mineralien und lebensspendenden Tropfen gewinnen können,
fristet die Lagune ansonsten inmitten der Salzwüste ein unscheinbares Dasein. Und diese Einsamkeit haben wir, begleitet mit einem Glas Pisco sour, ausgiebig genossen.
Montag, 11. Januar 2010
„San Perro“
San Pedro hat eindeutig ein kleines Problem. Streunende Hunde. Zynische Stimmen nennen daher die Stadt auch „San Perro“ (span. Perro = Hund). Ob morgens, mittags oder am Abend – sie sind allgegenwärtig. Und in einem teilweise erbarmungswürdigen Zustand.
Denn auf der Straße lebend werden sie von niemandem betreut, müssen sich irgendwie durchschlagen. Und den nächtens höre ich die ein oder anderen Straßenkämpfe, der stärkere setzt sich durch. Die offenen Wunden der Kämpfe und der Krankheiten zeugen davon.
Aggressiv gegen über den Menschen sind sie nicht, wer beisst schon die Hand die einen füttert. Selbst vorbeifahrende Fahrradfahrer werden in der Regel in Ruhe gelassen. Teilweise alleine unterwegs, manches mal im Doppelpack in einem Geschäftseingang rumliegend, gelegentlich im Zehnerrudel vor der Kirche herumstreunend. Und nie weiß man wie viele Flöhe auf den Rücken mitreiten. Nun weiß ich nicht ob die örtliche Verwaltung sich dieses Problems im Klaren ist – die anreisenden Gäste sicherlich, denn die Anzahl in diesem überschaubaren Ort kann schlichtweg nicht ignoriert werden.
Ich kann nur hoffen das sich über kurz oder lang ein Fürsprecher findet, der die Tiere über kurz oder lang unterstützt. Denn auch wenn es ein Hundeleben ist, so muss es doch kein räudiges sein...
Sonntag, 10. Januar 2010
Ganna and his harem
Während viele Touristen nur für 2-3 Tage in San Pedro verweilen, die Tagestouren abreißen und dann wieder zum nächsten Ziel hecheln, genieße ich die zeitliche Unabhängigkeit und gönne mir zwischen den Etappen jeweils einen Ruhetag.
Zeit zum Schreiben, Bilder sortieren, Emails verwalten, Lesen, mit den Menschen reden. Und natürlich diese ganzen Eindrücke zu verarbeiten. Denn so schön auch die Impressionen sind, nach über 11 Monaten des Reisens setzt eine gewisse Sättigung ein.
Und diesem muss ich Tribut zollen. Doch mein gestriger Tagesausflug war einmal wieder sehr informativ, beeindruckend – und lustig.
Erbarmungslos früh um 4.00 Uhr ging es los in Richtung El Tatio, den Geothermalfeldern, etwa 90 km nördlich von San Pedro gelegen. Auf unbefestigten Straßen wurden wir wieder bergauf in eine Höhe von 4.330 m geschüttelt. Ich schreibe Wir, und dies hat eine amerikanische Touristin unter schallendem Lachen aller so nett formuliert. „Ganna and his harem”.
Gunnar und seine 7 Frauen. Denn ich war an diesem Tag bei der gebuchten Tagestour der einzige männliche Gast an Bord. Nur noch Ron, unser Reiseführer, und der Fahrer sorgten für eine ausgewogenere Mischung.
Doch zurück zu El Tatio – nach dem Yellowstone Park in den USA und einem Feld in Kamtschadka ist El Tatio die 3. größte aktive Geothermallandschaft weltweit. Sprudelnde Geysire, blubbernde und nach Schwefel riechende Sumpflöcher, aber auch genau so beeindruckende dampfende kleine Schornsteine verteilen sich auf ein ganzes Hochplateau.
Auf Grund der Höhe kocht das Wasser hier bereits bei 85 Grad Celsius und kondensiert sofort beim Austritt in die heute morgen –4 Grad kalte Luft.
Bereits eine Stunde nach Sonnenaufgang ist der aufsteigende Dampf schon kaum noch zu sehen, hat doch die wärmende Sonne dann den Temperaturunterschied größtenteils kompensiert. Um uns im Anschluss selber ein wenig aufzuwärmen, führte uns Ron in ein kleines, malerisches Tal.
Obwohl es hier seit Jahren nicht geregnet hat, so fließt trotzdem ein kleiner Fluss, aus den Anden kommend, stetig und sorgt für eine Oase im Canyon. Vulkanische Aktivität sorgt dafür, dass dieser kleine Fluss selbst nach einigen Kilometern eine angenehme Wassertemperatur von 30 Grad aufweist und förmlich zu einem Bad in einem der kleinen Becken einlädt.
Was wir sichtlich genossen haben wie man sieht. Die Abschlussfrage des Tages war: Was fehlte bisher bei all meinen Wüstenbildern? Der obligatorische Kaktus. Denn als Blickfang faszinieren diese Pflanzen, die mit einem Minimum an Wasser auskommen, immer wieder.
Egal ob es die großen kaminartigen Kakteen oder die runden Schwiegermuttersitze sind, zum Wüstenbild gehören sie irgendwie dazu. Eine 1-stündige Wanderung durch ein Kakteenfeld rundet meinen Tourtag durch die Atacama Wüste auch fotografisch vollends ab.
Freitag, 8. Januar 2010
Flamingos und Lagunen
6.15 Uhr am Morgen, 5 Grad und windstill. Müde und verschlafen stehe ich vor dem Gästehaus und warte auf meinen Führer, Jerome.
Flamingos sind scheu, daher wollen wir vor den anderen Reisegruppen die Laguna de Chaxa im „Reserva Nacional Los Flamencos“ erreichen. Dem Sonnenaufgang entgegenfahrend passieren wir das verschlafene Dörfchen Toconao und begeben uns in die unwirtliche Salzwüste, die größtes des Landes Chile.
Nach etwa einer Stunde Fahrt erreichen wir, inmitten dieses lebensfeindlichen Raumes, die Laguna de Chaxa. Und tatsächlich, ein wenig Wasser, wenn auch salzig, reicht aus um Leben zu ermöglichen.
Etwa 200 Flamingos verteilen sich auf ein weitläufiges Areal, stehen mit den Knöcheln im Wasser und fischen gemütlich mit ihrem Schnabel Krill aus dem Wasser. Krill, diese kleinen garnelenartigen Lebewesen, bilden die Nahrungsgrundlage der Flamingos – und bescheren ihnen ihre rote Farbe.
Mir persönlich ein Rätsel wie diese Tierchen in dem Wasser überleben können. Eine weitere Reisegruppe erreicht die Lagune, laut schwatzend und fröhlich Bilder schiessend, und binnen Sekunden verflüchtigen die scheuen Flamingos sich im schützenden Hinterland. Sehr zum Leidwesen der neu angekommenen Reisegruppe, die darauf hin Ihre Lautstärke merklich reduziert. Selber schuld – kann ich da nur sagen.
Beeindruckt von dieser scheinbar endlosen Salzkruste verlassen wir die Lagune de Chaxa und schrauben uns mit dem Auto bergaufwärts. Ausgehend von 2.400m Höhe erreichen wir auf 4.300m Höhe, zum gleichen Nationalpark gehörend, die Lagunas Miniques und Miscanti.
Flankiert vom 5.622m hohen Cerro Miscanti und umgeben von weiteren, bis zu 6.000m hohen Vulkanen heben sich die beiden Lagunen mit ihrem Tiefblau schon fast unnatürlich von Ihrer trockenen Umgebung ab.
Apropos Vulkane, 10 % der weltweit als aktiv eingestuften Vulkane (immerhin 1.500) befinden sich in den chilenischen Anden, entstanden durch das Aufeinanderprallen der südamerikanischen und der pazifischen Erdplatte vor Millionen von Jahren. Und sie bewegen sich immer noch, wenn auch langsam.
Daher wird ein erneuter Ausbruch von einem der umliegenden Vulkane in den nächsten Jahren wieder erwartet.
Mit diesem von Jerome vermittelten Informationen im Hinterkopf rollten wir am frühen Nachmittag wieder zurück, stoppten in Toconao bei einem grinsenden Lama, und mit einem eisgekühlten Getränk eines amerikanischen
Brauseherstellers konnte ich meine staubtrockene Kehle beglücken und zu neuem Leben verhelfen.
Mittwoch, 6. Januar 2010
Im Valle de la Luna
Allein der Name des von mir gestern abend besuchten Tales klingt schon nach Musik. Tal des Mondes. Und so stellen sich mir auch diese ungewöhnlichen Fels- und Schluchtenformationen dar.
Die vor Millionen von Jahren entstandenen Strukturen, einer Mondlandschaft ähnlich, wurden überwiegend durch Winderosionen geschaffen. Während die nahegelegenen Vulkane sich aus dem Gestein der Lava aufgetürmt haben, besteht das Valle de la Luna jedoch aus Salz. Bedeckt und gemischt mit einer feinen Sandschicht lassen sich die Salzkristalle nur unter der Oberfläche oder in kleinen Ornamenten entdecken.
Lauscht man jedoch ein paar Sekunden in die Berge hinein, so knackt und kracht es im Gebälk.
Denn die Hitze des Tages sorgt für Expansion der Kristalle, die Kühle der Nacht bewirkt wiederum das Gegenteil. Viel Wind, selten Regen – auf diese Weise hat die Natur eine Szenerie erschaffen, ob Canyon, ein natürliches Amphitheater oder die sogenannten 3 Marias, die auf unserem Planeten seinesgleichen sucht.
Ein besonderes Lichtspiel zum Sonnenuntergang wurde mir am Abend zuteil.
Denn Ron, mein Reiseführer der Tagestour, schien meine Gedanken zu lesen. Bei meiner Anreise nach San Pedro per Bus fiel mir ein Streckenabschnitt mit grandioser Aussicht auf.
Mein spontaner Gedanke hierzu war: Dies ist ein idealer Sonnenuntergangspunkt, hierher musst du zurück.
Und keine 48 Stunden später stehe ich bereits dort und lasse mich von dem Wechselspiel der Farben bezaubern. Die Mondlandschaft im Vordergrund, die weitflächige Salzebene dahinter, die mächtigen Berge der Andenkette in der Ferne runden das Gesamtkunstwerk der Natur ab.
Und mir bleibt einfach nur die Demut, auf einem Felsvorsprung zu sitzen und dieses einstündige Schauspiel auf mich wirken zu lassen. Und diese Wirkung wird mich noch lange begleiten, dessen bin ich mir sicher.