Freitag, 19. Juni 2009

Auf geht’s nach Tana Toraja

Die letzten 1-2 Tage auf Kadidiri Island bekamen leider einen Knacks in der Idylle, als Andy der Dive Instructor gekündigt hatte. Nach sieben Monaten hatte er noch kein Geld von seinem Chef erhalten und die lokalen Mitarbeiter wurden gegen ihn angestachelt. Ein Grund für mich, diese Unterkunft nicht weiterzuempfehlen. Wie auch immer, für mich ein Grund mehr nach einer Woche die Tasche zu packen und zu meinem nächsten Ziel, das Bergland Tana Toraja aufzusuchen. Mit der Fähre nach 5 Stunden im Hafen Ampana angekommen, wollte ich mich 1 Tag ausruhen um die strapaziöse Fahrt von rund 20 Stunden Bus langsam anzugehen. Wenn möglich wollte ich die Reise in 3 Etappen bewältigen. Doch kaum in meinem Hotel angekommen, gemeinsam mit 2 Schweden, fragte uns der Rezeptionist wohin wir weiterreisen wollten. Rantepao, war unsere Antwort. Ein Fahrer aus Rantepao wäre gerade hier und könne uns mitnehmen. Gesagt, getan und verhandelt, und eine Stunde später gings schon mit dem Auto weiter. Echt Glück gehabt, ein klimatisiertes schickes Auto gegen einen verrauchten, schaukelnden und in engen Sitzreihen vor sich hin tuckernden Bus einzutauschen. In netto 14 Stunden Fahrzeit gings also, vorbei am malerischen Bergsee Danau Poso, nach Rantepao.


































Tauchausflüge

Damit ich hier auf Pulau Kadidiri nicht immer nur faulenze sondern auch sportlich ein wenig aktiv bin, geht es so für 1-2 Tauchgänge am Tag unter Wasser. Rund 20 verschiedene Tauchplätze sorgen dafür, das ausreichend Abwechslung herrscht und keine Langeweile aufkommt. So ging es für einen Tag auf die Nachbarinsel Pulau UnaUna. 2 tolle Tauchgänge mit Barrakudaschule, Napoleon und sonst. Getier ließen die Taucherherzen höher schlagen. Der Besuch eines kleinen Dörfchens (es gab superleckere selbstgebackene Ingwerplätzchen zu kaufen) und ein Mittagspicknick am Strand rundeten den Ausflug perfekt ab. Ein weiterer Höhepunkt war das Umtauchen eines Flugzeugwracks aus dem 2. Weltkrieg. Ein amerikanischer B24 Bomber stürzte 1944, getroffen von den Japanern, vor der Küste ab. Die Maschine konnte notwassern, alle Insassen wurden gerettet und erst 1 Stunde später sank der Bomber auf rund 20m Tiefe. Der Zahn der Zeit nagte während der letzten 60 Jahre an dem Wrack, doch viele Details sind nach wie vor sehr gut erhalten. Ein Blick ins Cockpit zeigt Steuerknüppel, Pilotensitze und manch technische Ausrüstung in erstaunlich gutem Zustand. Korallen aller Art sitzen auf den Tragflächen, auf der Innenausstattung, überall. Und den Schutz des Metallmantels machen sich die kleinen Fische zunutze um nicht von den größeren gefressen zu werden... Ein originalgetreues Modell steht im Dive Center zur Begutachtung, so dass ich wenigstens dies fotografieren konnte.










Willkommen auf den Togean Islands

Mit einem Seelenverkäufer, einer für mich recht zweifelhaft aussehenden Fähre aus Holz ging es also Mittwoch nacht von Gorontalo aus auf die Togean Islands. Für die rund 110 km lange Fahrt wurden rund 12 Stunden veranschlagt. Um nicht draußen auf dem Hauptdeck schlafen zu müssen, konnte ich für umgerechnet 6 Euro ein Bett in einer Viererkabine erhaschen. Was sich auch als komfortabler als erwartet herausgestellt hat. Ein wenig stickig, doch 6-7 Stunden Schlaf waren mir bei ruhiger See tatsächlich vergönnt. Planmäßig am morgen legte die Fähre in Dolong, dem ersten von 4 Anlaufstationen auf der Inselgruppe an, verblieb dort allerdings eine Stunde länger als geplant wegen Motorproblemen. Wie gut das man so etwas als Fahrgast nicht immer direkt mitbekommt, was da alles hinter den Kulissen im Schiffsrumpf passiert... Am Anlegesteg von Dolong herrschte bereits geschäftiges Treiben, als die sehnsüchtig erwartete Fähre anlegte und neben menschlichem Frachtgut auch allerlei Kisten, Obst und sonst. Bedarf ablud. Bei 2-3 Fähren pro Woche, die vom Festland aus ankommen, wird jede Gelegenheit genutzt um Waren auf und von den Inseln zu transportieren. Verständlicherweise. Da ich meine Reservierung im Black Marlin DC bereits in Gorontalo gefixt hatte, wartete im nächsten Hafen ein kleines Zubringerboot auf mich, welches mich dann im Sauseschritt ins Paradies gebracht hat. Pulau Kadidiri, eine kleine vorglagerte Insel, war unser Ziel. Mit 100 PS gings also über das spiegelglatte Meer, und nach nicht einmal 40 min erblickte ich das kleine Eiland. Die Bilder vom Strand, meiner Hütte von innen (ich habe mir den Super Deluxe Bungalow für umgerechnet 12 Euro gegönnt) sowie der Bootsanlegeplatz im Sonnenuntergang sprechen eine eigene Sprache, oder? Eine nette, herzliche und familiäre Atmosphäre empfing mich und mit Andy, dem englischen Dive Instructor, war eine Party Billard gegen mich vor dem Abendessen während der Tage hier Usus. Wie es solch abgelegene Plätze an sich haben, muss man hie und da allerdings auch gewisse Abstriche in Kauf nehmen. Wasser aus dem Hahn gibt’s nur morgens und abends für 2 Stunden, Strom erst ab 18..00 Uhr bis Mitternacht. Eine Telefonverbindung gibt’s nur gelegentlich (leider nicht für meine indonesische SIM Karte), eine Internetverbindung – utopisch und schon gar nicht daran zu denken. Dies muss wohl noch ein wenig warten, bis ich wieder das Festland erreicht habe. Irgendwann. Eins der wirklichen Vorteile beim Langzeitreisen. Sich nicht Gedanken darum machen müssen wann es weitergeht.

Dienstag, 9. Juni 2009

„Hello Mister“ oder „Gorontalo und sein Lächeln“

Ehrlich gesagt konnte ich mich am heutigen Tage nicht zwischen diesen beiden Titeln entscheiden. Also habe ich schlichtweg einfach beide genommen. Denn beide treffen zu. Zwischenzeitlich habe ich der Küstenstadt Manado den Rücken gekehrt und es ging gestern mit dem Minibus rund 400 km südlich an die Flussstadt Gorontalo. 400 km bedeuten in Deutschland rund 4 Stunden Autofahrt (wenn’s nicht gerade staut). Hier bedeuten diese Distanz eine kraftraubende Tagesreise, in meinem Fall mit dem Minibus (8 Euro) rund 8 Stunden nonstop, mit dem großen local Bus (4 Euro) sogar 12 Stunden. Etwa 2/3 der Strecke verlief durchs wunderschöne Gebirge. Was jedoch immer eifrig Serpentinen mit sich bringt. Und wieder wurden im Minibus eifig von meinen Mitreisenden die K-Tüten gefüllt. Doch zu guter letzt erreichte ich Gorontalo wohlbehalten und mit eisernem Magen. Doch was hat mich eigentlich hierher geführt? Die Fähre zu den „Togean Islands“, einer malerischen Inselgruppe zwischen zwei Sulawesiarmen legt einmal pro Woche von hier aus ab. Morgen abend, am Mittwoch, geht’s also weiter. Zeit genug dieses nette Städtchen zu Fuss oder mit dem Motorradtaxi zu erkunden. Viel zu sehen gibt’s nicht, die einzige Sehenswürdigkeit – eine Heldenstatue – liegt direkt vor meiner Hoteltür. Dafür brauchts keine offizielle Sightseeingtour. Also schlendere ich. Bewusst nehme ich kein Motorradtaxi, damit ich in Ruhe fotografieren kann. Glaubte ich zumindest. Denn zu Fuß unterwegs zu sein ist hier eher ungewöhnlich, insbesondere für einen Ausländer. Ergo bekomme ich im 30 Sekundentakt von anhaltenden oder langsamfahrenden Taxifahrern ständige Angebote für einen Taxiritt. Und ich fast gleichen Rhythmus wird mir ein „Hello Mister“ nachgerufen. Wenn ich dies höre, dann schießt bei mir irgendwie die Erinnerung an das 19te Jahrhundert ins Gedächtnis, als Leute wie Ferdinand dé Lesseps in Ägypten den Suezkanal bauten und von den Arbeitern ehrfürchtig „Hello Mister“ genannt wurden. Bei mir kann ich mich irgendwie mit dieser Anrede gar nicht so identifizieren, fühle mich gar nicht wie ein „Mister“. Einfach nur die Strasse entlangzugehen, von vorbeifahrenden LKW-Fahrer zugewunken zu bekommen, von giggelnden Schülerinnen und Schülern gegrüßt zu werden, vom freundlichen Ladenbesitzer um die Ecke ein Hallo zu erhalten – irritierend und doch freundlich bemerkenswert. Und dabei immer dieses Lächeln. Ehrlich, von Herzen kommend, spontan. An allen Ecken dieser doch sonst eher farblos wirkenden Stadt. Ein bisschen Historie gibt’s hier allerdings doch. Mit dem Motorradtaxi eine halbe Stunde stadtauswärts auf einem Hügel gelegen thront eine alte aber kleine Burgruine portugiesischer Herkunft. Brav löhne ich den Eintrittspreis von 2000 Rupien (= 0,15 Euro) und kämpfe mich bei dämpfigen Wetter die rund 250 Treppenstufen bergaufwärts. Doch die Aussicht lohnt jeden Atemzug, jeden vergossenen Schweißtropfen. Eine weite Ebene, gefüllt mit Reisfeldern, umrahmt von Gebirgszügen und Regenwald bedeckt, lassen meinen Blick minutenlang in die Ferne schweifen. Lassen mich das Indonesien im Hier und Jetzt mit all seiner Authentizität spüren. Im Tal gezähmt und wirtschaftlich genutzt, im Gebirge wild und ursprünglich. Alleine genieße ich die Geräuschkulisse der Natur, das Schwirren der Insekten, das Zirpen der Zikaden. Wann und wo ich auf den Togean Islands wieder Internetanschluß habe weiß ich noch nicht, doch der nächste Bericht wird bestimmt nicht lange auf sich warten lassen ...

Freitag, 5. Juni 2009

Am Anfang steht die Frage

Am Anfang steht die Frage. Die gigantische Auswahl macht es nicht einfacher. Gibt es nur ein paar wenige, dann fällt die Entscheidung leichter. Doch in diesem Fall? Es gibt 17.000 – in Worten: Siebzehntausend. Doch wovon rede ich überhaupt? Von Inseln. Aus so vielen setzt sich nämlich Indonesien zusammen. Vielleicht sind es auch ein paar mehr oder weniger, doch das interessiert eigentlich kaum. Nun, die Wahl ist auf Pulau Bunaken gefallen. Und warum? Tauchen natürlich. In dem Archipel nördlich von Sulawesi treffen sich die Unterwasserfreunde, um gemeinsam einer Leidenschaft zu frönen. Und ich bin halt mal wieder mit dabei. Korallenbänke betrachten, Steilwände entlang schwimmen, Schildkröten bei ihrem scheinbar trägen und doch eleganten Schwimmen beobachten, farbenfrohe Nacktschnecken bei ihren Paarungsritualen verfolgen usw. Die Vielfalt und die Abwechslung unter Wasser ist mannigfaltig. Gelegen in einer kleinen charmanten Bucht verirren sich nur Tauchfreunde und ein paar Einheimische in dieses kleine Resort. Alle anderen sonnenhungrigen Touristen weilen wahrscheinlich während dessen auf Bali, Lombok oder anderen weißumrandeten Strandinseln. Doch je weißer der Sand, umso weniger gibt’s für die Riffbetrachter zu sehen, ergo gehen sich diese Zielgruppen weitestgehend aus dem Weg. Und wieder einmal habe ich Glück. Das Resort ist für etwa 50 Taucher ausgerüstet, und wir waren heute gerade mal 5. Einschließlich mir. Entsprechend gibt’s ausreichend Platz auf den Tauchbooten, kein Gedrängele und viel Zeit unter Wasser. Also ganz relaxt wie ich es mag. 3-4 Tage habe ich auf Pulau Bunaken vorgesehen ... vielleicht melde ich mich ja nochmals von dieser beschaulichen kleinen Insel...




Mittwoch, 3. Juni 2009

Auf touristischen Pfaden

5 Tage Singapur geben sicherlich genug Stoff her, um noch einen zweiten oder dritten Bericht zu schreiben. So könnte ich mich über den Besuch meiner Ex-Kollegen und das gemeinsame Mittagessen (japanisches Fast food) auslassen , von einem Kindergeburtstag mit 10 Kindern im Stadtpark erzählen. Oder aber auch über ein klassisches Touri-Programm, für das mich wahrscheinlich jeder Backpacker mit einem Schmähblick abstrafen würde. Doch das war es mir ehrlich gesagt wert, zumal ich hier in der sauberen Stadt sowieso kein wirkliches Backpackerleben im Privathaushalt geführt habe. Über die Vorzüge einer Ente und deren unterschiedlichen Fähigkeiten habe ich mich ja bereits in einem früheren Bericht, genauer gesagt über Brunei, ausgelassen. Wie ich feststellen durfte, gehöre ich nicht alleine zu der Menschheit, die diese Erkenntnis gesammelt habe. Eine findige Firma bietet hier nämlich sogenannte „Ducktours“ an. Mit einem Amphibienfahrzeug quer durch Singapur, u.a. vorbei an der Sultansmoschee, und hinein ins Hafenbecken zu einer kombinierten Kreuzfahrt. Unverhältmäßig teuer für eine Stunde Fahrt, doch wann hat man schon einmal die Gelegenheit in solch einem Gefährt unterwegs zu sein. Und das Herumkurven auf dem Wasser ermöglichte mir zudem eine ganz andere Sichtweise auf die Küstenlinie zu erhaschen. Mein Folgeprogramm könnte nach dem Großstadtbesuch kontrastreicher kaum sein. Indonesien, genauer gesagt Sulawesi wird per Flieger in Angriff genommen. Hierüber berichte ich bald ...

Ach ja, aus aktuellem Anlaß und auf Grund der Anfrage eines einzelnen Herrn: ich weiss leider auch nicht was das Strassenschild zu bedeuten hat, doch ich fands einfach witzig - und offensichtlich regt es die Phantasie des Betrachters an.


















Montag, 1. Juni 2009

Sing-Sing-Singapur

Wer kennt das mit der Erwartungshaltung? Je höher die Lobpreisungen über einen Ort, eine Region oder eine Sehenswürdigkeit ist, um so höher ist der Druck bei der Ankunft. Genau dieser hohen Erwartungshaltung zu entsprechen. Wird sie erfüllt, dann nimmt man es als gegeben hin. Schließlich wurde ich ja vorgewarnt. Wird diese nicht erfüllt, dann haben im Zweifelsfall all die Anderen übertrieben oder keine Ahnung. Vor zwei Tagen bin ich nun in Singapur, der „sauberen Stadt Süd-Ost-Asiens“, angekommen. Und Dank der vielen Bemerkungen anderer Backpacker lag meine Erwartungshaltung so knapp über dem Nullpunkt – es kann also nur besser werden, habe ich so für mich gedacht. Und bisher ist es auch so. Ich wurde durch die Vielseitigkeit dieser 4 Millionen-Metropole bis dato wirklich positiv überrascht. Nur durch den eigenen Besuch ist es möglich sich auch eine entsprechende Meinung zu bilden. Bevor ich nun meine Matratze bei Eric, einem ehemaligen Kollegen aus Stuttgart, bezogen habe, nächtigte ich eine Nacht zuvor in Little India und durfte dort die erste von vielen Seiten erleben. Lauschige indische Restaurants mit Chicken-Curry, urige Friseursalons mit geschniegelten Friseuren jenseits der 70 und ausgestattet mit akkuraten Seitenscheitel, Straßenzüge aus den 1930ern die Reihen von Läden des täglichen Bedarfs beheimaten. So unter anderem mein Backpacker Hostel. Das sich irgendwie in diese Gegend verirrt hat und als australischer Live-Pub die Kultur des Viertels komplett durcheinanderwirbelt. Alte englische Kolonialgebäude, wie z.B. das ehrwürdige Raffles Hotel im Zentrum mischen sich mit moderner Hochhausarchitektur, nebenan wird im Park in traditioneller weißer stilvoller Kleidung Kricket gespielt. Little China gesellt sich dazu, Kinder genießen die aufgebauten Fahrgeschäfte in einer Fußgängerzone, Hochzeitspaare nutzen die Hintergrundkulisse für Ihre Bilder des neuen Lebens. Aus dem 70sten Stock eines Hotels wird mir beim Rundumblick die gesamte Tragweite der Vielfalt noch zusätzlich bewusst. Singapurianer, Malaien, Chinesen, Inder, Europäer, Australier, Philippinas etc. Sie alle bilden mit Ihren unterschiedlichen kulturellen Hintergründen, ihren verschiedenen religiösen Ansichten einen fast einzigartigen Cocktail menschlichen Zusammenlebens auf ziemlich engem Raum. Denn die breitere Ausrichtung der Insel von Ost nach West beträgt gerade mal rund 40km. Ach ja, Kaugummi gibt es in Singapur tatsächlich nicht zu kaufen. Und ein Klischee über die Sauberkeit konnte ich mit meiner Linse festhalten und es aufräumen– es gibt ihn tatsächlich hier: Müll. Zeigt es mir doch: Hurra, ich bin tatsächlich noch in Asien.