Donnerstag, 22. Oktober 2009

Arthur´s Pass

Arthur Dudley Dobson hat nicht seinen Reisepass verloren, und ich habe ihn nicht gefunden. Arthur lebte nämlich im 19.ten Jahrhundert und war Namensgeber des vielleicht spektakulärsten Bergpasses in Neuseeland. Verbunden werden in der Inselmitte das westliche Greymouth und die wichtigste Stadt Christchurch. Und diesen Pass habe ich heute abgefahren. Besser gesagt ich bin gekrochen, wollte ich doch die Landschaft mit all seinen Facetten genießen. Denn die Bergstraße durchschneidet die abwechslungsreiche Szenerie, während die parallel verlaufende Eisenbahnstrecke ihren Weg durch das Bergmassiv findet. Auch wenn der Sonnenschein sich in Grenzen hielt – regenfrei und mit einigen Wolken schraubte ich mich mit meinem Spaceship auf über 920m Höhe und war trotz alledem umgeben von schneebedeckten Riesen. An einem der zahlreichen Aussichtsplattformen bekam ich denn Besuch von einem frechen, trickreichen Kea, dem hiesigen Bergpapagei. Erst noch vorsichtig saß er auf dem Geländer, und bevor ich noch aus meinem Auto aussteigen konnte, nahm er bereits Platz auf meinem Seitenspiegel und taxierte mich neugierig mit seinem Schnabel. Schnell die Seitenscheibe wieder hochgelassen fand der Kea Interesse am Plastik meines Autodaches. Ausgestiegen konnte ich sogleich die ganze Wahrheit erfahren, forderte mich doch ein Warnschild auf die Bergpapageien NICHT zu füttern...






Dienstag, 20. Oktober 2009

gestapelte Pfannenkuchen ?

Und wieder einmal erlebe ich eine faszinierende Naturschönheit, ohne davor je gehört oder davon gesehen zu haben. Entsprechend ist meine Erwartungshaltung keine Erwartungshaltung gewesen, als ich die Westküste entlang fuhr und bei dem merkwürdig anmutenden Namen „Pancake Rocks“ Station machte (das erste Bild gehört natürlich nicht mit dazu, dieses Kunstwerk wurde eigenhändig kreiert). Das Rätsel dieser Gesteinsformation ist selbst unter Geologen noch nicht endgültig geklärt, für mich jedenfalls sieht dieser Küstenabschnitt mit all den flach übereinander geschichteten Steinplatten, den rauen Wellen während der Flut einfach nur beeindruckend aus. Ein weiteres Phänomen beeindruckt mich an den Küstenstreifen zudem immer noch, wie die Pflanzenwelt es schafft, sich unter solch unwirtlichen Lebensbedingungen aus den noch so schroffen Felsformationen Nahrung zu beschaffen, Halt zu finden, sprich Wind und Wetter zu trotzen, zu überleben.




Montag, 19. Oktober 2009

Ein Österreicher in Neuseeland

Nach vier Tagen angereichert mit Regen, Sturm und Fahrerei bin ich mittlerweile an der Westküste der Südinsel Neuseelands angekommen. Und somit kann ich nun auch wieder meine Kamera und Wanderschuhe zum Einsatz kommen lassen. Denn mein Ziel hier ist der Franz-Josef-Gletscher. Benannt nach einem ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchen verläuft dieser riesige Gletscher nur 15 km von der Meeresküste entfernt aus den bis zu 3000m hohen neuseeländischen Alpen hinunter. In nur wenigen hundert Metern über dem Meeresspiegel endet die Gletscherzunge und steht in extremen Kontrast zu dem umliegenden Regenwald. Und wann bekommt man dies denn schon zu sehen? Gletschereis und Regenwald in einem Landschaftsbild! Im Gegensatz zu den meisten Gletschern weltweit ist der FJG in den letzten Jahren glücklicherweise sogar ein wenig gewachsen und konnte so dem Trend der weltweiten Schmelze ein wenig entgegenwirken. Der gängigste und wahrscheinlich von 75 % aller Besucher gewählte Weg der Besichtigung ist die Anfahrt mit dem Auto zu den Geröllablagerungen, 10 min Fußmarsch und Frontalansicht aus einiger Entfernung. Foto machen, Rückweg antreten und wieder ins Auto setzen. Doch es gibt noch 3 weitere Möglichkeiten, dieses faszinierende Naturspektakel zu bestaunen. Manch einer wählt die Sicht bei einem Rundflug per Helikopter, eine weitere Gruppe schließt sich einer geführten Tour an und klettert direkt mit Pickel und Spikes unter den Schuhen hinein ins ewige Eis. Die dritte, von mir gewählte Variante, ist eine Tageswanderung durch den Regenwald hinauf auf den benachbarten Bergrücken. Und wie ich feststellen durfte – es war die richtige Entscheidung. Auf verschlungenen Pfaden durch moosbewachsene Wälder, an riesigen Farnbäumen vorbei ging es Stück für Stück aufwärts. 3 Hängebrücken halfen die großen Zuflüsse zu überwinden, etwa ein halbes Dutzend kleinerer Bäche musste von Stein zu Stein hüpfend bewältigt werden. Eine Klettersteigbrücke in einer Wand und Felsplateaus sorgten für eine anspruchsvolle, doch immens abwechslungsreiche Wanderung. Und der finale Aussichtspunkt hat für alle Mühen des Aufstiegs entschädigt. Ein unverdeckter, grandioser Blick auf ihn – den Franz Josef Gletscher.









Mittwoch, 14. Oktober 2009

Welcome Windy Welly

Windy Welly wird die Hauptstadt Neuseelands mit seinen 400.000 Einwohnern liebevoll genannt. Und dies nicht ohne Grund, weht doch hier das ganze Jahr über ein kräftiger Wind. Verstärkt durch eine Keillage zwischen steil aufragenden Bergen, dem glitzernden Wasser des Naturhafens und angeheizt durch die Meerenge der Cook Strait. Von dem Wind bekomme ich doch einiges ab, kann ich doch getrost meinen Hut im Auto lassen. Denn der wäre hier wahrscheinlich binnen 5 Minuten weit über dem Ozean verschwunden. Doch Wellington hat neben Wind noch deutlich mehr zu bieten, ist es doch nicht umsonst das kosmopolitische, kulturelle und moderne Herz des Landes. Cuba Street mit seinen außergewöhnlichen Läden, gemütlicher Cafeszene und alternativem Outfit lockt genauso zahlreiche Menschen an wie die eher schicke Manner Mall. Und wie es sich für eine Bergregion gehört, darf natürlich die altehrwürdige Cable Car mit dazugehörigem Museum nicht fehlen. Binnen 5 Minuten wird man aus dem lebendigen Stadtzentrum hinauf in den Botanischen Garten katapultiert und kann, umringt von historischen Gebäuden der Sternwarte, Wellingtons Stadtansicht von oben genießen. Dank einer überschaubaren Größe, einem multikulturellen Mix, tollen musikalischen und cineastischen Angeboten ist die Hauptstadt echt lässig; und mit lachendem und weinenden Auge geht es bei mir morgen schon wieder weiter auf die Autofähre in Richtung Südinsel ...



















Dienstag, 13. Oktober 2009

Whanganui River – Quell des Lebens

Weiter auf meinem Weg in Richtung Süden durchquere ich das Tal des Whanganui Flusses, dem längsten Strom Neuseelands. Mit über 330 km Länge schlängelt er sich atemberaubend durch die Szenerie und schneidet in Millionen von Jahren ein tiefes Tal, bevor er sich letztendlich in die tasmanische See ergießt. Mit zahlreichen kleinen Zuflüssen verbreitert sich der Fluß von Kilometer zu Kilometer und spült braunen Sand, aufgewühlt von den heftigen Regenfällen der letzten Wochen, mit sich her. Die sich in Serpentinen dazugesellende Straße windet sich bergauf, bergab und offeriert mit nach jeder Kurve eine neue Landschaft, dich mich zum Anhalten, Inspirieren, Fotografieren animiert. Das Schnurren des Motors, das Säuseln des Windes und das Blöken der Schafe ist für Stunden meine einzige Geräuschkulisse, begegnen mir doch auf einem Großteil der Route so gut wie keine Autos bzw. Menschen.



Winterspaziergang

Zurück im Gebirge, dieses Mal am südlichen Zipfel des Tongariro National Parks, begab ich mich heute Mittag zu einem ausgedehnten Spaziergang (man kann es auch eine kleine Wanderung nennen), bei der mich meine Füße an den Berghang des knapp 2.800 m hohen Mount Ruapehu geführt haben. Die Waitonga Wasserfälle und die Mangawhero Fälle waren mein Ziel, konnte ich doch die Flussläufe in meinem „Herr der Ringe – Guidebook“ ebenfalls wiederfinden (Gollum ging dort auf Fischfang). Was ich bei strahlendem Sonnenschein, angenehmen 12 Grad dort gefunden habe, war etwas ganz anderes. Den perfekten Wandertag, glitzernde Schmelztropfen, herrliche Luft. Tschaikowsky klingt klar und brilliant aus meinen Sennheiser Kopfhörern und im Hintergrund nähert sich das Plätschern der Wasserfälle ... einfach die angehängte Datei öffnen und mitwandern ...viel Spaß



Schneewanderung

p.s. einen Dank an mein Brüderchen für den technischen Support :-)

Freitag, 9. Oktober 2009

Das Huhn oder das Ei – was war zuerst da? Ein lokales Fallbeispiel

Solch philosophische Frage in den Raum zu werfen ist angesichts des heute verregneten Wetters durchaus angebracht, ermöglicht mir doch die Zwangspause weitschweifende Gedankengänge zu hegen. Und mein gerade beendetes Buch von Dan Brown „The lost Symbol“ regt zudem noch zum bewusstseinserweiternden Denken an. Im neuseeländischen Fallbeispiel ist die Antwort auf diese Frage eindeutig, ob der Kiwi-Vogel oder die Kiwi-Frucht (das Ei) zuerst da war. Denn . . . die Kiwi-Frucht ist eine Mogelpackung, handelt es sich doch in Wirklichkeit um eine chinesische Stachelbeere (ein Foto spare ich mir, ist die Frucht doch allgemein bekannt). Vor rund 100 Jahren nach Neuseeland importiert und dort angepflanzt, ähnelte die weiche Oberfläche mit ihren flaumigen Haaren doch so sehr dem geliebten Federvieh, dem Kiwi-Vogel, dass es schnell einen neuen Namen auf den beiden Inseln bekam. Flugunfähig, mit dickem runden Körper und kleinen Federn ist der mittlerweile bedrohte Vogel den Neuseeländern ans Herz gewachsen. So wie der Strauss, der Emu, Nandu und Kasuar gehört dieser nachtaktive Vertreter zur Familie der Flachbrustvögel (musste ich aber auch erst nachschlagen, danke Reiseführer). Die Lebenserwartung dieser Vogelart ist mit rund 20-25 Jahren üppig, was angesichts eines täglichen Schlafbedürfnisses von rund 20 Stunden (!!!) dem ganzen Rechnung trägt. Entsprechend selten läuft einem ein Kiwi-Vogel über den Weg. Mit Kiwi-Frucht, die weltweit exportiert wird und Kiwi-Vogel, den es nur hier am Ende der Welt gibt, wurden die Neuseeländer selbst bald als Kiwi bezeichnet. Und diese nahmen diese Bezeichnung nicht als Beschimpfung wahr, sondern als Ehre. Somit steht hier alles im Zeichen der Kiwi – nur in der Nationalflagge ist der Kiwi noch nicht vertreten, hier sind die altehrwürdigen Commonwealth Farben und der britische Union Jack abgebildet – noch.

Art déco am anderen Ende der Welt

Nach 3 Tagen Sperre des Bergpasses wegen Schnees konnte ich heute, am 8.10.2009, meine Reise fortsetzen. Ziel: gen Osten nach Napier im Herzen der Hawke´s Bay, einem der größten Weinanbaugebiete Neuseelands. Während meine Fahrt nur 3 Stunden dauerte, geht meine Zeitreise nun ins Jahr 1931. Alles änderte sich in Napier schlagartig, als am 3. Februar 1931 ein gewaltiges Erdbeben der Stärke 7,9 die Erde aufwarf und einige hundert Menschenleben forderte. Das Zentrum der Stadt war völlig zerstört, die Erde erhob sich um rund 2 m und verdrängte das Meer um einige Meter nachhaltig. Während Backsteinhäuser zerfielen, hielten die Holzhäuser teilweise stand, konnten jedoch dem anschließenden Großfeuer keinen Widerstand leisten. Ein Naturhafen entstand. Wenn man also überhaupt davon sprechen kann, dass das Erdbeben von 1931 etwas Gutes hatte, so war es die Gelegenheit des kompletten Wiederaufbaus, nicht nur mit erdbebensicheren Materialien, sonder auch in völlig neuer Form, neuer Architektur. Napier stützte sich dabei auf zeitgenössische Ideen und konzentrierte sich vor allem auf den Art déco. Es herrschte jedoch Ende der 20er Jahre Weltwirtschaftskrise, weshalb Napiers Art déco Version von der Not dieser entbehrungsreichen Ära geprägt ist. Gleichzeitig ließen sich die Architekten vom ähnlich sonnenüberfluteten und für Erdbeben anfälligen Kalifornien inspirieren, das nur sechs Jahre zuvor ebenfalls einem Erdbebenschicksal zum Opfer fiel. Sie übernahmen die Brunnen (als Symbol der Erneuerung), aufgehende Sonnen, Zickzackleisten, Blitze und stilisierte Riffelungen, um den asymmetrischen Designs zusätzlichen Reiz zu verleihen. Doch diese Architektur nimmt nicht nur eine Stilrichtung mit, sondern entwickelte sich im Laufe von Jahren und verbindet somit den Spanish-Mission-Stil, ägyptische und Mayamotive, florale Muster genauso wie die lokalen Maorieinflüsse. Und ich muss zugeben – hier am anderen Ende sehr unerwartet für mich, doch die Architektur hat durchaus ihren Reiz. Insbesondere dann, wenn diese Ära von Menschen wie dem netten Herren, der vor seinem Oldtimer für mich posiert, ein wenig aufrecht erhalten und mit Leben gefüllt wird.








Frühlingsanfang in Taupo

Nachdem der Vormittag sprichwörtlich wie im Fluge vergangen ist, ließ ich es gestern am Nachmittag ein wenig ruhiger angehen. Denn schließlich klopft der Frühling hier im Hochland an, wenn auch mit einigen Wochen Verspätung. Noch immer kalt treibt es die Menschen trotz alledem hinaus und an den Lake Taupo, den größten Binnensee Neuseelands. Den seltenen Sonnenschein genießend schlendere ich also wie viele andere Gäste und Einheimische am Strand entlang und verfolge die skurrilen Geschäftsideen findiger Leute, wie z.B. das Golfen vom Land aus auf eine kleine schwimmende Plattform. Preisgeld für das direkte Einlochen: 5.000 NZ Dollar, rund 2.500 Euro. Da nimmt doch der ein oder andere golfbegabte Interessent den Spaß auf sich und schlägt ein paar Bälle in den Wind. Doch ob Picknick, Eisessen oder im Cafe sitzen, die mondäne Szenerie des Mount Tongariro im Hintergrund beeindruckt. Und wie so häufig hier in Neuseeland, die Schönheit des Landes wurde nicht nur von mir entdeckt, sondern schon lange von den 4 großen welt weit agierenden Fastfoodanbietern, deren Logos ich ständig zu Gesicht bekomme ...










Dienstag, 6. Oktober 2009

Mordor & Co.


Hier, im Tongariro Nationalpark, rund 100 km südlich von Taupo, wurde die Natur-Kulisse für die Ebenen von Gorgoroth, dem Mount Doom, Mordor, Emyn Muil und Ithilien gefunden. Alle Fans von „Der Herr der Ringe“ wissen natürlich wovon ich gerade berichte. Spielen all diese Plätze doch eine bedeutende Rolle in der von J.R.Tolkien geschriebenen und Peter Jackson verfilmten Trilogie. Und auch ich stelle vor Ort fest – die Kulisse hierfür ist scheinbar perfekt, ziehen sich doch scheinbar unendliche Weiten um die 3 Vulkane, im wirklichen Leben übrigens Mount Tongariro, Mount Ngauruhoe (das ist der perfekte Vulkankegel) und Mount Ruhapehu heißend. Insbesondere letzterer Berg erfreut sich bei den Skifahrern in Neuseeland großer Beliebtheit, wogegen der Tongariro für Wanderer ein Eldorado darstellt. Die Überquerung des Gipfels gehört nach landläufiger Meinung zu den schönsten Wanderrouten des Landes, und auch ich wollte eigentlich diese Tour absolvieren. Doch Kälte, Windgeschwindigkeiten um die 70 km/h, ein für diese Jahreszeit ungewöhnlicher heftiger Schneefall bewogen die Tourenveranstalter alle Wanderungen für die kommenden Tage abzusagen. Somit muss ich mich wohl dem Schicksal fügen, die tolle Szenerie aus der Ferne betrachten und mit kleineren Wanderungen im flacheren Umfeld Vorlieb nehmen. Was ich angesichts des schönen Wetter gerne gemacht, angesichts der gefühlten –10 Grad Celsius allerdings mit Unterbrechungen und Aufwärmphasen im Cafe noch lieber genutzt habe.